XI - martha fine arts edition

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XI

Der Typ liess mich irgendwo am Hudson raus -
14 Stunden von Jacksonville/Florida hier hoch.
3 Uhr nachts & eiskalt.
Und ich legte mich ins Gebüsch des Mittelstreifens
& pennte bis es hell wurde.
Zurück in New York, und ich würde versuchen in der East 10th street
bei Claudia auf dem Fussboden zu schlafen, und mir irgendwoher eine Schreibmaschine besorgen.
Ich würde aus dem Fenster runter auf die Strasse schauen
& die Strasse riecht nach Negern und Nutten, nach Licht
& Schweiss, riecht nach Holz
& Benzin, nach geschminkten Tipsen auf dem Weg nach Hause
& nach ranzigem Fett. Die Strasse riecht nach Asche, Moder
& Geschrei, nach Polizeisirenen
& Krüppeln und sie riecht nach Saxophonklängen und Haar wie Heu und das ist gut so.
Würde wieder die Strasse riechen und in mich aufsaugen, und ich würde verloren in den runtergekommenen Buchläden um  Greenwich stehen mit all den verrückten Träumen von Dichterlesungen.
Und ich würde klassische Symphonien im Radio hören und wieder schlaflos über die Tasten gebeugt mit den Gedanken durch die Nächte irren.
Old angel midnight nach all den Visionen von deinem Tod und plötzlich wieder all diese Bilder aus der Vergangenheit -
wie eine geheimnisvolle Duluoz Legende.

Im Jahre 1975 trampte Wolf Pehlke durch die USA und Mexiko. Der in den beiden folgenden Jahren entstandene Text stellt ein frühestes Zeugnis der  inneren Beweggründe eines Schreibenmüssens des  Autors dar.

copy right 2013

 
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